< Meilenstein 26.07.2017

MS OESTERREICH wird 1928-Original

Presse-Artikel VN Heimat Hofsteig (Peter Strauss): Historisches Schiff wird für rund 7,5 Millionen Euro in Originalzustand von 1928 versetzt. Ganzjahresbetrieb geplant.


OESTERREICH wird Juwel auf dem See. Originalgetreue Restaurierung statt Renovierung - Rückbau auf die "Version 1928".

 

Fußach. (VN-stp) Seit rund zehn Monaten ist die „Oesterreich“ von neugierigen Blicken verborgen, hämmern, schleifen oder sandstrahlen und ähnliche Geräusche lassen jedoch nach außen dringen, dass emsig an dem Schiff gewerkt wird. „Nach außen gedrungen“ sind in den vergangenen Monaten auch Gerüchte, die Kosten würden explodieren und das Projekt damit infrage stellen. Die VN-Heimat ging diesen Spekulationen auf den Grund und bat Jürgen Zimmermann, Co-Obmann des „Vereins Freundeskreis Motorschiff Österreich e. V. Hard“ zum Gespräch.

Kleiner, großer Unterschied

„Wir haben uns nicht verkalkuliert“, stellt Zimmermann, der mit einigen Mitstreitern das historische Schiff vor drei Jahren in letzter Sekunde vor dem Schneidbrenner gerettet hatte, klar, denn „die Kostensteigerung von ursprünglich geplanten drei bis vier Millionen Euro auf rund 7,5 Millionen Euro ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass wir uns nach intensiven Diskussionen dazu entschlossen haben, das Schiff nicht in der derzeitigen Form zu renovieren, sondern zu restaurieren und damit in den Originalzustand von 1928 zu versetzen – und das hat eben seinen Preis“, erläutert Zimmermann und breitet auf dem Tisch die „Planversion Nr. 13“ aus, die eben einen massiven Umbau auf das Originalschiff vorsieht.

Vorbild „Hohentwiel“

„Wir haben uns dabei dem Fachurteil von Dampferkapitän Adolf Konstatzky angeschlossen, der die ,Hohentwiel‘ zum Vorbild nahm: Wenn wir schon ein Museumsschiff betreiben wollen, dann hat dies nur im Originalzustand Zukunft“, verweisen Konstatzky und Zimmermann auf 27 erfolgreiche Saisonen des Dampfers. „Wenn wir mit dem ersten großen Motorschiff, das auf dem Bodensee ab 1928 im Einsatz war, erfolgreich sein wollen, dann muss Nostalgie unverfälscht angeboten werden.“ In diesem Zusammenhang darf daran erinnert werden, dass auch für die „Hohentwiel“ zunächst nur eine „Sparversion“ angedacht wurde. Der Dampfer sollte nur ein wenig aufgefrischt werden, um als schwimmendes Museum – ohne eigenen Antrieb – von Hafen zu Hafen und von Veranstaltung zu Veranstaltung geschleppt werden. Erst im Zuge der Projektierung entschied man sich für die heutige Erfolgslösung einer originalgetreuen Restaurierung.

Ergänzen statt konkurrieren

Von der „Hohentwiel“ will Zimmermann jedoch nicht nur das Restaurierungskonzept, sondern auch das Know-how für den künftigen Betrieb übernehmen. „Wir sind im engen Kontakt mit Adi Konstatzky und dem ,Hohentwiel‘-Verein, denn wir wollen nicht konkurrieren, sondern uns ergänzen, zumal die ,Oesterreich‘ für den Ganzjahresbetrieb vorgesehen ist.“

Zu 80 Prozent finanziert

Auch dieser Ganzjahresbetrieb hat seinen Preis. „Isolierung, Heizung und Lüftung müssen darauf abgestimmt werden“, so Zimmermann, der stolz darauf ist, dass „rund 80 Prozent der Kosten abgesichert sind und wir mit einigen möglichen Gesellschaftern noch vielversprechend Gespräche führen. Derzeit sind neun Gesellschafter an Bord, zwei davon haben wir erst kürzlich gewinnen können. Gleichzeitig bemühen wir uns auch weiterhin um Paten, die so wie seinerzeit bei der ,Hohentwiel‘ für Schiffsausrüstung, Aufbauten, Schiffseinrichtung usw. Objekt-Patenschaften (ab 700 Euro) oder Schiffs-Patenschaften (ab 200 Euro) übernehmen.“

Sogar aus Hongkong

Stolz berichtet Zimmermann, dass es großes Interesse für Patenschaften gibt und dass „ein Gesellschafter sogar aus Hongkong kommt – Hans Kremmel, der 1971 im Fernen Osten ein sehr erfolgreiches Textilunternehmen aufgebaut hat. Bei einem Heimatbesuch kamen wir mit ihm ins Gespräch und er kam – im wahrsten Sinne des Wortes – als Gesellschafter mit an Bord.“

In Linz wird gebaut

Finanziell ist man auf gutem Weg – auch technisch läuft alles wie geplant: „In Linz wurde mit der Fertigung der neuen Aufbauten begonnen, sie werden in etwa einem Monat auf dem Straßenweg nach Fußach geliefert und dann auf der Schiffsschale zusammengebaut.“