< MS OESTERREICH wird 1928-Original 01.08.2017

Weiterhin auf Kurs


Totgesagte leben länger – so lautet ein gängiges Sprichwort. Dies trifft offenbar auch auf Schiffe zu. So zum Beispiel auf das Museumsschiff MS Oesterreich. „In jüngster Zeit machten Gerüchte die Runde, dass wir pleite und das Schiff im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte sei“, sagt Jürgen Zimmermann, Co-Obmann des Vereins „Freundeskreis Museumsschiff Österreich“. Das stimme mitnichten. „Es gab Änderungen, aber das Projekt ist nach wie vor sehr gut aufgestellt“, betont Zimmermann. Ursprünglich war geplant, das Schiff in der Version von 1952 wiederherzustellen – die Aufbauten wären erhalten geblieben, das Ganze hätte zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro gekostet. Das war jedoch nicht möglich, da sich im Laufe der Arbeiten herausstellte, dass der innere Zustand doch schlechter war als zunächst vermutet. „Das Ganze ist in etwa mit einer Althaussanierung vergleichbar, das ist auch nicht immer einfach“, vergleicht der Co-Obmann. Alle Teile, die zu verrostet oder anderweitig desolat waren, mussten in Folge entfernt werden.

Neues altes Schiff. Alleine am Schiffsrumpf waren 1200 Messpunkte angebracht, um das Material zu prüfen und gegebenenfalls auszutauschen. „Das Schiff von 1952 war zwar ein für damalige Zeiten tolles Gefährt, aber das Material, aus dem es gefertigt wurde, ist nicht das beste.“  Bei der Demontage beziehungsweise beim Ausräumen des Schiffs waren zahlreiche Freiwillige involviert. Diese kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, was sie verbindet, ist die Leidenschaft für das Projekt. Nun soll die MS Oesterreich auf den Stand von 1928 rückgebaut werden und dieses Vorhaben kostet in etwa gleich viel wie ein neues Schiff, nämlich an die 7,5 Millionen Euro.

Gut aufgestellt. Doch das Vorhaben steht laut Zimmermann auf sicheren Beinen und schreitet gut voran. „Mitte August werden mit fünf Sondertransporten die Decks aus Linz angeliefert.“  Auch die Finanzierung sei gut aufgestellt so konnten beispielsweise neue, namhafte Gesellschafter gewonnen werden, versichert der Co-Obmann. Was der Verein noch benötigt, sind Patenschaften im Gesamtwert von 300.000 Euro, damit die Finanzierung abgeschlossen werden kann. Jürgen Zimmermann ist guter Dinge, dass die benötigten Gelder aufgebracht werden können. „Das Vorhaben ist wie eine Bergwanderung und den steilsten Teil haben wir hinter uns.“ Läuft alles nach Plan, dann soll die MS Oesterreich bis zum Herbst 2018 im neuen alten Glanz des Art-Déco-Stils erstrahlen. Damit hätte das Schiff ein Alleinstelllungsmerkmal weltweit. Geplant ist des weiteren eine enge Zusammenarbeit mit Adolf Konstatzky von der Hohentwiel. „Das letzte Schiff der Dampfschiffära und das erste Schiff der modernen Dieselgeneration sollen gemeinsam wirtschaftlich betrieben werden und sozusagen eine kleine historische Flotte am See bilden.“ Doch zunächst geht es Schritt für Schritt. Und damit sich Interessierte ein Bild vor Ort machen können, ist nach Abschluss des Deckaufbaus im August ein „Tag der offenen Tür“ vorgesehen. Vielleicht lässt sich so auch der eine oder andere Besucher mit der Leidenschaft für das historische Wassergefährt anstecken.  „Der schönste Tag wird sein, wenn die MS Oesterreich vom Stapel läuft. Es handelt sich zwar um ein aufwändiges Projekt, das jedoch allen Unkenrufen zum Trotz erfolgreich ist“, fasst der Co-Obmann zusammen.

 

Information MS OESTERREICH

Die MS Oesterreich ist ein 1928 in Dienst gestelltes Schiff, das die Ära der Motorschiffe am Bodensee einleitete. Um das historische Gefährt zu erhalten, restaurieren und der Bevölkerung zugänglich zu machen wurde 2014 der Förderverein Mueseumsschiff Oesterreich gegründet. Derzeit wird es in der Werft in Fußach restauriert. Weitere Patenschaften sind willkommen (Vereinsmitgliedschaft 30 Euro pro Jahr, Patenschaften sind ab 200 Euro möglich). www.ms-oesterreich.at