< MS Österreich macht Fortschritte 21.09.2017

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Presse-Artikel "Akzent" (Markus Hotz): Was symbolisiert den internationalen See mehr, als die Weiße(n) Flotte(n), die majestätisch am Horizont ihre Bahnen ziehen?! Bei näherer Betrachtung traut man allerdings oft seinen Augen nicht.


In Vorarlberg etwa wird mit der historischen „MS Österreich“ gerade das einzige Art Déco-Passagierschiff der Welt aufwändig restauriert. Mit der Urform von 1928 soll es „als schwimmendes Museum“ den Bodensee befahren. Damals leitete dieses Schiff die Ära der modernen, dieselbetriebenen Schiffstypen ein und beendete damit das Jahrhundert der Dampfschifffahrt. Die „Hohentwiel“ – auch in Vorarlberg beheimatet – erinnert daran. Nicht zufällig werden beide dann als historische „Schwesterschiffe“ in enger Zusammenarbeit betrieben, ebenfalls im ehrenamtlichen Vereins-Konstrukt. Die rund sieben Millionen Euro Renovationskosten werden so seeumspannend und international zusammengetragen, das Modell „Hohentwiel“ stand hier auch Pate (Unterstützer & Paten sind übrigens willkommen!).

Vor Wintereinbruch will man mit Außenhülle und Deckaufbauten in der Fussacher Werft fertig sein, so dass dann mit den Innenarbeiten begonnen werden kann – alles auf Kurs für den Herbst 2018. Damit lägen dann die drei spektakulärsten Schiffe des Sees in Vorarlberger Häfen: das schönste Dampfschiff der Welt, die „Hohentwiel“; dazu die „Österreich“; und mit der „Sonnenkönigin“ als Kontrast das größte Event-Schiff auf europäischen Binnengewässern. Drei Ahoi!

Bei den Schweizern hat man vor gut einem halben Jahr den eher hässlichen 70er Jahre-Pott „Säntis“ modernisiert. Jetzt hat man das wohlfeilstylishste Schiff am Start: An die 100 Leute können sich bei Champagner auf Ledergestühl räkeln, den Duft feinster Hölzer in der Nase und das Design einer hippen Großstadt-Lounge auf wogenden Wellen genießend.

Und die deutsche BSB investiert dieses Jahr unter anderem in das denkmalgeschützte Motorschiff „MS Schwaben“: Es wird im Stil des Baujahres 1937 ausgebaut und entsprechend möbliert. Darüber hinaus wird bereits 2019 ein neues Schiff in Betrieb gehen. (Und die „Graf Zeppelin“, das wohl hässlichste Schiff aller Zeiten mit dem klobigen Charme eines Plastikbügeleisens, im Zuge der Modernisierung bestenfalls als Korallenriff für Tauchtouristen enden …)

Hurra! Endlich werden die 30er Jahre Schiffe am See so behandelt, wie Oldtimer an Land: durch und durch authentisch daherkommend (gerne mal versteckt modernisiert, wo zweckmäßig). Aber eben nicht „außen hui, innen pfui“ mit Resopaltischchen, abwaschbarem Plastik-Holzfurnier und Karotischdeckchen nebst Vorhängen. Freuen wir uns also auf „neue“ alte Zeiten, in denen wir mit einem normalen Mainau-Ticket in mondänen Erinnerungen schwelgen können …

MARKUS HOTZ HERAUSGEBER

Quelle: akzent Verlags-GmbH