< Mit weiß-goldener Miniflotte hilft Göpf der „Oesterreich“ 26.01.2018

„Österreich“ wird Kapitän folgen wie ein braver Hund

Einbau eines neuen Bugstrahlruders macht Museumsschiff für Passagiere sicherer. Presse-Artikel "VN"


Durch ein in den Rumpf geschnittenes Loch wurde das Bugstrahlruder eingehoben.

FUSSACH

Der Verein der Freunde der MS Österreich scheut bei der Renovierung des alten Schiffes keinen Aufwand. Nun wurde in der Fußacher Werft von der Linzer Schiffswerft AG ein Bugstrahlruder eingebaut, das alle Stücke spielt. Während solche Anlagen etwa in Privatyachten oder den meisten anderen Passagierschiffen lediglich eine Bewegung des Bugs bei An- oder Ablegemanövern in Querrichtung ermöglichen, kann der neue Antrieb der „Österreich“ das große Schiff auch vor- und rückwärts bewegen und sogar im Falle des Ausfalls des Hauptantriebs mit einer reduzierten Geschwindigkeit bis in einen Hafen bewegen.

„Der Einbau ist zwar nicht Vorschrift, aber uns geht es vor allem um die Sicherheit der Gäste an Bord“, sagt Jürgen Zimmermann, Obmann des renovierenden Vereins. In erster Linie erleichtert die im Bug unabhängig arbeitende Anlage besonders bei Starkwind das Manövrieren des Schiffes an Anlegestellen, kann aber auch als Notantrieb funktionieren. Eingesetzt wurde das Bugruder, das um 360 Grad drehbar ist und einen starken, den Schiffsrumpf bewegenden Wasserstrahl ausstößt, durch den Schiffsboden. Die beiden Motoren, ein Elektroaggregat und ein Strom liefernder Diesel, werden über eine Luke im Deck eingelassen.

Technisch war das Einheben des Bugstrahlruders für Bauleiter Wolfgang Schmutz von der Linzer Werft kein Problem. Zwar musste mit Schweißbrennern ein Loch in die Kiellinie geschnitten werden, dann aber hob Schmutz den 800 Kilo schweren Zusatzantrieb mit einem Hubwagen und zwei Winden vorsichtig in den Rumpf. Äußerlich wird nach dem Verschweißen nichts mehr zu sehen sein, der Austritt des Wasserstrahls wird unter der Wasserlinie liegen.

Im April auf die Slip

Noch dröhnen Hämmer und fauchen die Schweißbrenner in der Einhausung in Fußach. Im April wird die gründlich erneuerte „Österreich“ aber wieder durch zwei starke Kräne ans Tageslicht gehoben und auf die Slipanlage am Wasser gestellt. Die Silhouette wird sich verändert zeigen, weil sie der ursprünglichen Form der „Österreich“ angepasst wurde. Das Steuerhaus, die oberste Etage des Schiffes, wird dann im Freien aufgesetzt. Ebenfalls erst auf der Slipanlage werden weiters die beiden Motoren, die Antriebswellen, die beiden Schrauben und das Ruder am Heck eingebaut, Details planen die „Freunde der Österreich“ noch.

Bereits weit fortgeschritten ist die Planung der Inneneinrichtung des Schiffes, das ein Schmuckstück auf dem Bodensee werden soll. Ein Unternehmen in Innsbruck, das auch den Ausbau der „Hohentwiel“ durchführte, gestaltet das Innere des Schiffes im Art-déco-Stil und damit an die Epoche angepasst, in der die „Österreich“ 1928 gebaut wurde. GG