< Frühlingserwachen um die „MS Oesterreich“ auf der Werft 12.04.2018

Autodidakt und Macher

Jürgen Zimmermann bringt die MS Österreich wieder auf Kurs. Presse-Artikel "VN"


Jürgen Zimmermann möchte mit der MS
Österreich etwas Bleibendes schaffen.

BREGENZ Für die Bewerbung als Grafik-Leiter bei Suchard kaufte er sich eine große Kuhhaut und band daraus ein Buch mit seinen Arbeiten. „Es war am Ende so groß und so schwer, dass ich es nicht mehr unter den Arm gebracht habe und nicht mehr lupfen konnte“, erinnert sich Jürgen Zimmermann. Also bat er einen Freund um Hilfe. Als die beiden das Buch gerade in Bludenz abliefern wollten, lief ihnen zufällig der Direktor über den Weg, nach zehn Minuten hatte Zimmermann den Job. Zwei Jahre später wechselte er als Chefgrafiker zum Schuh-Konzern Bata in die Schweiz. Als es ihm dort zu fad wurde, sagte er zu einem Kollegen: „Komm wir machen was Neues. Was ist gerade modern?“ Nach Messebesuchen in Deutschland war klar: Fertighäuser sollen es werden. „In zweieinhalb Jahren haben wir 28 individuelle Häuser geplant und gebaut, jedes war innerhalb von sechs Monaten schlüsselfertig.

“Wieder zurück in Bregenz – die Aufenthaltsgenehmigung wurde nicht verlängert – widmete sich der zweifache Vater unter anderem technischen Vertretungen und baute mit einem Kollegen aus der Steiermark Motoren aus Gummi für Beregnungsautomaten („Die haben wir europaweit verkauft“), ehe er mit 36 Jahren gemeinsam mit seiner Frau einen Import für Maschinenelemente übernahm. Der von ihm erarbeitete Katalog wurde in der HTL als Lehrmittel verwendet. Die Tante der Queen ehrte ihn für Exportleistungen. Und als er mit einem Lieferanten nicht mehr zufrieden war, entwickelte er selbst Hubgetriebe. Seit Anfang der 90er-Jahre heißt die Firma Zimm, wird seit 2011 von seinem Sohn Gunther geführt und beschäftigt mittlerweile knapp 125 Mitarbeiter. „Was ich jungen Leuten mitgeben möchte, ist, dass man autodidaktisch alles lernen kann, was man will, und dass damit auch die Freude verbunden ist, die automatisch Erfolg gibt“, sagt Jürgen Zimmermann. Seit 2013 ist der Bildsteiner offiziell im Ruhestand, dennoch geht er jeden Tag ins Büro- nämlich in jenes der Museumsschiff Österreich GmbH und des gleichnamigen Fördervereins. „Am Anfang habe ich gedacht, es sind fünf bis zehn Stunden pro Woche, aber es ist ein Vollzeitjob“, blickt der 76-Jährige zurück. Bis Ende des Jahres soll das 1928 in Dienst gestellte Motorschiff fertig restauriert sein und als schwimmendes Museum den Bodensee befahren. „Das Schiff ist für die Menschen“, betont der Geschäftsführer und Co-Obmann. „Die Menschen sollen sich treffen und miteinander eine Gaudi haben.“ VN-GER

ZUR PERSON

JÜRGEN ZIMMERMANN

GEBOREN 21. Oktober 1941

WOHNORT Bildstein

AUSBILDUNG Hauptschule, Zahntechniker-Lehre, Grafiker-Lehre

LAUFBAHN u.a. gründete er 1977 die Firma Zimm Spindelhubgetriebe

FAMILIE 1 Sohn, 1 Tochter, 5 Enkel

HOBBYS Freunde und Stammtische, Wandern, Radfahren, Lesen, Haus und Garten

Presse-Artikel: