< Festakt und Feier für das neue Bodenseejuwel „Oesterreich“ 21.07.2018

Ein Mann und seine Mission

Das Museums­schiff MS ­„Österreich“ feiert am kommenden Wochenende seinen 90. Geburtstag. Zu verdanken ist das vor allem Jürgen Zimmermann (77), der zuvor auch eine äußerst er­folgreiche berufliche Karriere hinter sich gebracht hat. Presse-Artikel "NEUE"


Jürgen Zimmermann mit dem „Kaiser Franz Josef“-Modell. Klaus hartinger (3)

Von Brigitte Kompatscher

Schon die Anfänge lassen auf großes Engagement und auch Selbstbewusstsein schließen. Der 1941 geborene, in Bregenz mit zwei Brüdern aufgewachsene Jürgen Zimmermann absolvierte nach der Schule gleich zwei Lehren – eine als Zahntechniker, die andere als Grafiker. Nach dem Bundesheer war er schon grafischer Leiter von Suchard, erzählt er, bald danach Chefgrafiker vom Schuhhersteller Bata in der Schweiz. „Ich war mein ganzes Leben lang Autodidakt, also nicht studiert“, sagt der heute 77-Jährige.

Grafiker blieb er nicht lange. Gemeinsam mit einem weiteren Angestellten des Schuhkonzerns wurde er Architekt und Baumeis­ter, fährt er mit seiner Lebensgeschichte fort: „In zweieinhalb Jahren haben wir 28 individuelle Häuser gebaut.“ 1967 ging es zurück nach Bregenz, weil seine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz nicht verlängert wurde. Hier baute er dann eine Agentur auf, die auf Werkzeugbau spezialisiert war. „Das habe ich vorher auch nicht können.“

Unternehmensgründung

Im Jahr 1977 gründete er dann gemeinsam mit seiner Frau Hannelore in Bregenz die Firma J + H Zimmermann Maschinenelemente und legte damit den Grundstein für das heutige Unternehmen Zimm mit Sitz in Lustenau. „Wir haben damals einen 700 Seiten starken Katalog für 1,5 Millionen Schilling gemacht“, erinnert er sich an die Anfänge. Dieser sei in der Folge zum inoffiziellen Lehrbuch für alle HTL geworden, erzählt Zimmermann – „nicht schlecht für einen, der nie eine HTL von innen gesehen hat“, ist der zweifache Vater und fünffache Großvater noch heute stolz darauf.

Im Jahr 1989 wurde ein eigenes Programm für Spindelhubgetriebe entwickelt und das Unternehmen in Zimm Maschinenelemente GmbH umbenannt. Zehn Jahre später erfolgte dann der Umzug in das neue Betriebsgebäude im Millenium Park in Lustenau. Heute hat die Firma an die 130 Mitarbeiter. „Ich habe 57 Jahre voll gearbeitet“, schildert Zimmermann. 2013 ist er dann aus dem Familienbetrieb ausgeschieden und hat die Leitung seinem Sohn übergeben.

Schiffe

Schiffe in irgendeiner Form begleiten Jürgen Zimmermann indes schon seit seiner Kindheit. Als Kinder seien sie mit einem vollen Leiterwagen, den der Vater gebaut habe, jeden Tag zum See gefahren, erinnert er sich. Am Platz vor dem Mehrerauer Kloster wurden dann Zelt, Schiffe und Schwimmreifen, die aus Autoschläuchen bestanden, aus dem Wagen ausgepackt. Dort wurde auch eine Hafenanlage gebaut. „Wir haben bei jedem Wetter dort gespielt.“

Modellschiffe habe er immer gebaut und 1983 dann eine wissenschaftliche Arbeit über den Raddampfer „Kaiser Franz Josef“ geschrieben, erzählt er. Dabei habe er unter anderem vier Tage lang die Pläne in der Linzer Werft fotografiert und sich intensiv mit Schiffsbau auseinandergesetzt. Das Motorschiff „Österreich“ geriet dann 2013 in seinen Fokus. 2014 gründete er mit Christian Kaizler als Co-Obmann einen Verein zur Rettung, und Anfang 2015 kauften sie das Schiff den Vorarlberg Lines und Illwerke vkw für einen Euro ab. Am 31. März 2015 hätte es verschrottet werden sollen. Warum er das nicht zugelassen hat? „Ich lasse kein Schiff, das Geschichte hat, verschrotten“, lautet die unmissverständliche Antwort. Und dann erzählt er von seiner Enkeltochter, einer HAK-Schülerin, die vor einigen Wochen eine Projektarbeit über den Erhalt historischen Kulturguts verfasst habe.

Historische Version

Nachdem der Verein ursprünglich die 1952er-Version wiederherstellen wollte, wurde es letztendlich die Originalvariante von 1928 mit Art-Déco-Ausstattung des in der Schiffswerft Korneuburg erbauten Schiffs. Deren Wiederherstellung schlägt mit rund acht Millionen Euro zu Buche, erklärt Zimmermann.

Im Frühjahr 2016 wurde neben dem Verein eine GmbH für die Restaurierung gegründet, als deren Geschäftsführer Zimmermann fungiert. Seither ist er unter anderem auch intensiv damit beschäftigt, die Gelder aufzutreiben. Eine ganze Reihe von Gesellschaftern, die nicht genannt werden wollen, gibt es bereits. Verein, Land und EU sind weitere Förderer, aber auch Patenschaften ab 200 Euro sind möglich. Paten werden auch nach wie vor gesucht, informiert der rührige Geschäftsführer. „Wir stehen finanziell gut da“ – ganz durchfinanziert sei das Projekt aber noch nicht.

Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit einem weiteren Museumsschiff auf dem Bodensee, der „Hohentwiel“. Und während diese über den Winter pausiert, soll mit dem MS „Österreich“ das ganze Jahr über gefahren werden. So kann sich Zimmermann vorstellen, dass etwa Vorarlberger Unternehmer Ausflugsfahrten mit ihren Exportgästen unternehmen oder Themenfahrten angeboten werden, etwa zu den zahlreichen Museen rund um den Bodensee. Im Februar 2019 sollte – wenn alles nach Plan verläuft – die restaurierte „Österreich“ dann erstmals wieder in See stechen.

Treibende Kraft

Am kommenden Samstag und Sonntag wird zunächst aber der 90. Geburtstag des Schiffes in seinem neuen Heimathafen gefeiert (siehe Factbox). Am 29. Juli 1928 startete die „Österreich“ – das erste mit Diesel betriebene Motorschiff dieser Größe auf dem Bodensee – nämlich ihre Jungfernfahrt. Seit 2009 lag sie allerdings fahruntüchtig in der Fußacher Werft. Für ihre Wiederbelebung war wohl Jürgen Zimmermann die treibende Kraft, wobei nicht nur Schiffen seine Leidenschaft gilt. In Bildstein hat der umtriebige Pensionist eine Dampfeisenbahn gebaut, die auch Personen transportieren kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jürgen Zimmermann mit der Skulptur von Gottfried Bechtold (l.). 2017 auf dem Rumpf der „Österreich“ (r.) Klaus hartinger (3)