< Werden Sie Pate vom einzigen Art déco Schiff weltweit 25.11.2016

Neuanfang für eine alte Dame

Presse-Artikel NEUE (Rubina Bergauer): Die MS Oesterreich ruht derzeit an Land. Die Arbeiten an dem historischen Schiff schreiten jedoch planmäßig voran.


Das Vorhaben, der MS Oesterreich wieder neues Leben einzuhauchen, ist wieder ein ordentliches Stück vorangegangen. Ein kurzer Rückblick: Von Jänner bis Juli 2016 wurde das Gefährt von einem Freiwilligenteam rund um Christian Kaizler entkernt und um rund 75 Tonnen Material erleichtert. Von der Hohentwiel wurde die Oesterreich schließlich in die Werft nach Fußach geschleppt. Dort wurde das Schiff in einer aufwändigen Aktion und mit Hilfe zweier Hochleistungskrane aus dem Wasser gehoben (die NEUE berichtete). Seitdem hat die alte Dame sozusagen "Landgang" und steht voll eingepackt in der Werft. Auf diese Weise ist die Oesterreich nicht nur vor Wettereinflüssen geschützt, sondern auch die Arbeiten können unabhängig von der Witterung fortschreiten. "Derzeit wird der komplette Rumpf außen aufwändig sandgestrahlt und grundiert. Das ist eine Herausforderung für die Arbeiter, da früher bleihaltige Farbe als Rostschutz verwendet wurde. Sie müssen daher passende Schutzkleidung tragen", berichtet Jürgen Zimmermann, Co-Obmann des Vereins "Freundeskreis Museumsschiff Oesterreich".

Zudem werden schadhafte Stellen an der Außenhülle herausgetrennt und neu eingeschweißt. Die Arbeiten im Schiffsbauch gestalten sich aufwändiger und etwas komplizierter als im Außenbereich. Über 20 Tonnen Spezialsand sind notwendig, bis das Innenschiff blank sandgestrahlt ist und schließlich Korrosionsschutz aufgetragen werden kann. In Kürze soll zudem die Wellenanlage für den Schiffsschraubenantrieb saniert werden. Dabei legt Zimmermann Wert darauf, dass die Oesterreich nicht renoviert, sondern restauriert wird. "Das heißt, wir versetzen sie in den Originalzustand von 1928."

Strenge Bestimmungen. In den kommenden gut eineinhalb Jahren soll das Schiff technisch und optisch entsprechend in Stand gesetzt werden. Wenn all die vielfältigen Herausforderungen wie geplant bewältigt werden können, dann werde die Oesterreich pünktlich zum 90. Geburtstag in neuem Glanz erstrahlen, berichtet der Co-Obmann. Der gesamte Innenausbau wird ausnahmslos im Art-Déco-Stil von anno dazumal durchgeführt. Dafür wurde extra ein Originalstuhl der Oesterreich, der sich in Privatbesitz befindet, ausgeliehen und einer Werkstatt, die auf Möbel aus dieser Epoche spezialisiert ist, zur Verfügung gestellt. Dennoch ist der stilechte Nachbau des Mobiliars keine leichte Aufgabe. "Es müssen strenge Brandschutzbestimmungen berücksichtigt werden. Und es gestaltet sich nicht gerade einfach, Einrichtung im Art-Déco-Stil mit brandsicheren Materialien herzustellen", erklärt Zimmermann.

"Wir versetzen das Schiff in den Originalzustand von 1928 zurück." Jürgen Zimmermann, Co-Obmann "Freundeskreis Museumsschiff Oesterreich". 

Reges Interesse.  Barrierefreiheit auf dem Hauptdeck, Heizung, Be- und Entlüftung für den ganzjährigen Schiffsbetrieb sowie eine Bar auf dem Oberdeck mit Beschattung sind weitere Punkte, die realisiert werden sollen. Das wirkt sich natürlich auch auf die Kosten aus. Um die Restaurierungsarbeiten finanziell zu unterstützen, bietet der Verein "Freundeskreis Museumsschiff Oesterreich" Patenschaften an. Dafür stehen verschiedenste Objekte wie Stühle,Rettungsboote, Fenster und anderes mehr zur Verfügung. Der Name der jeweiligen Person, einer Firma oder eines Vereins wird mit einem Messingschild an den verschiedenen Einrichtungsgegenständen angebracht. Zudem erhalten alle Paten eine Urkunde. "Es ist reges Interesse vorhanden und das nicht nur in Vorarlberg, sondern auch im grenznahen deutschen und schweizerischen Raum", sagt Zimmermann. Besonders freut es ihn, wenn die Patenschaft als originelles Geschenk dient. "Ein Großvater hat unlängst für sich und seine Enkel vier Patenschaften übernommen," berichtet er erfreut.  

Ist die Oesterreich erst wieder einmal seetauglich, dann soll in Kooperation mit den Verantwortlichen der Hohentwil ein ganzjähriges Buchungsangebot geschaffen werden. "Für den Betrieb stehen damit zwei historische Schiffe zur Verfügung. Die Oesterreich wird aber das weltweit einzige im Art-Déco-Stil restaurierte Motorschiff sein", betont Zimmermann.